Sexualpädagogik

Ein sexualpädagogisches Konzept ist seit dem 21.09.2021 für alle Einrichtungen der Kinder- und Jugendpflege im verbindlichen Gewaltschutzkonzept festgelegt. Auch im Berliner Bildungsprogramm wird frühkindliche Sexualität als wichtiger Entwicklungsprozess der Kinder thematisiert. 

 

Die sexuelle Entwicklung ist ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Die kindliche Sexualität ist von der Erwachsenensexualität zu unterscheiden. Sexualität ist Lebensenergie, ein menschliches Grundbedürfnis. Sie ist der Wunsch nach körperlicher und seelischer Nähe, Lust, Wohlbefinden, Leidenschaft und Zärtlichkeit. Sie verändert sich im Laufe eines Lebens. 

 

Sexualpädagogik umfasst die altersangemessene Vermittlung von Körperwissen, Körperwahrnehmung, Bindung & Nähe, emotionale Entwicklung (Gefühle wahrnehmen und richtig einordnen), eigene Grenzen erkennen und Grenzen anderer wahrnehmen. Kinder brauchen für ihre sexuelle Entwicklung pädagogische Begleitung, wie in anderen Entwicklungsbereichen auch. Kinder sollen unbelastet von sexuellen Gefühlen, Gedanken und Handlungen heranwachsen. Kinder erleben die Sinneswahrnehmungen ihres ganzen Körpers als lustvoll und angenehm. Selbsterkundungen des Körpers finden in der gesamten Kindheit statt und dienen dem Ausprobieren und Kennenlernen des eigenen Körpers. Kindliche Sexualität konzentriert sich nicht auf die Geschlechtsteile, bezieht sie aber mit ein. Schon Neugeborene berühren ihre Genitalien und erleben dabei angenehme Gefühle.

 

Es ist wichtig, den Körpererfahrungen einen Raum im Alltag zu geben, sexuelle Aktivitäten nicht zu tabuisieren, zu verbieten oder gar zu bestrafen, aber darauf zu achten, dass sich die kindliche Sexualität ohne Gewalt und Grenzverletzung durch andere Kinder oder Erwachsene entwickeln kann. Eine positive Sexualentwicklung schützt Kinder vor Missbrauch und Übergriffen, da sie gelernt haben, ihren Körper, ihre Gefühle und ihre Grenzen wahrzunehmen.

 

Unser Ziel ist es, die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung ganzheitlich zu fördern und zu stärken. Dazu gehört:

  • Körperwahrnehmung

  • Gefühle wahrnehmen und richtig einordnen zu können

  • Nein sagen

  • Eigene Grenzen erkennen und Regeln akzeptieren

  • Respekt und Wertschätzung von sich und anderen erfahren und erlangen

  • Selbstbestimmung 

Wie setzen wir die Ziele um?

  • Die Kinder dürfen sich in Kuschelecken sowie in Toiletten zurückziehen, um sich gegenseitig zu betrachten, anzufassen und Körpergefühle auszuprobieren, wenn es auf gegenseitigem Einvernehmen beruht

  • Wir erarbeiten gemeinsam mit den Kindern Regeln und Grenzen

  • Fragen der Kinder werden von uns aufmerksam aufgenommen, ernst genommen und beantwortet

  • In Gesprächen benutzen wir Bezeichnungen wie Penis, Vagina und Scheide

  • Fragen der Eltern werden ernst genommen und beantwortet

     

Die Kinder dürfen:

  • Nackt sein und sich gegenseitig betrachten, sich anfassen, Zärtlichkeiten austauschen, sich küssen

  • Sie dürfen sich allein zurückziehen, sich selbstbefriedigen

  • Beim Wickeln dürfen sich die Kinder selbst berühren, dabei wird die Schamgrenze des Kindes aktiv gewahrt

 

Unter anderem gibt es nicht verhandelbare Grenzen:

  • Es darf Nichts in Körperöffnungen gesteckt werden

  • Es muss Freiwilligkeit gegeben sein

  • Stopp heißt Stopp sofort!

  • Nur auf Augenhöhe, die Kinder müssen kognitiv gleichgestellt sein

  • Die Privatsphäre muss gewahrt werden

  • Es dürfen anderen Kindern keine Schmerzen zugefügt werden

  • Die päd. Fachkraft ist in mittelbarer Nähe des Geschehens, um bei Grenzüberschreitung einzugreifen, ist aber niemals Teil des Geschehens 

  • Generell werden die individuellen Schamgrenzen der Kinder und der MitarbeiterInnen respektiert